Rennen 2003

Auf dem Rundkurs der Steintribüne in Nürnberg.

Kreidler und Co: Beim Start der "Schnapsglasklasse" lag hochprozentiger Rizinus-Duft in der Luft.
Dreiradakrobaten im Drift um die Spitzkehre: Die Brüder Günter und Peter Schaub auf BMW Kneeler R 69 S.
60 Jahre und kein bißchen langsam: Dieter Braun, zweifacher Weltmeister, brachte eine Aermacchi Ala dÓro RJ mit.
Lokalmatadoren: Bernd und Horst (sen.) Seidl, dahinter Günter Maussner am Vorstart zum zweiten Lauf.
Was Zuschauer begeistert: Kurventechnik - und gleich wieder Vollgas.
Matthias Murko vom Zentrum Industriekultur (2. von links) präsentierte ebenfalls historische Zweiräder.

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Das Gesamtvideo kann bei Monika Pedack käuflich erworben werden. Euro 35.- ca. 45 Minuten lang.

78-Jähriger raste Jüngeren davon

7000 Besucher waren beim Rennsport-Spektakel mit historischen Motorrädern dabei

Parus Vaclav erstmals 1956 in Nürnberg

Fast 7000 Besucher haben am Dutzendteich Rennsportgeschichte studiert: Mehr als 200 Motorräder der Baujahre 1925 bis 1972 traten zum Classic-Cup an der Steintribüne an.
Der achtjährige Sven lernt schnell: Er hat die Augen geschlossen und ,,genießt den Sound“ an der Start­Ziel-Gerade. ,,Opa, jetzt kommt wieder die BMW, der Hit.“ Opa Herbert Bartsch hatte seinem Enkel zuvor von Zeiten erzählt, als Kinder noch den Klang des VW-Motors von der Maschine eines Opel oder Mercedes unterscheiden konnten. Sven reagiert verzückt, wenn DDR-Rennsport-Idol Heinz Rosner seine Werks-MZ von 1960 hochdreht oder Doppelweltmeister Dieter Braun die Aermacchi von 1967 nach der Kurve auf Tempo 200 beschleunigt. Später geht Knirps Sven im Fahrerlager auf Autogrammjagd.
Typisch Oldlie-Freunde: Das Fahrerlager ist keine sterile und hektische Hightech-Schmiede wie im Rennzirkus von Schumi und Co. Vielmehr erleben die Besucher eine Mischung aus Bastlerwerkstatt und Campingplatz. Bereitwillig geben die ,,Schrauber“ Auskunft, und Sven darf den 13er Schlüssel halten, als an einem Gespann geschraubt wird.
Und dann steigt Parus Vaclav auf seine 500er. 1956 hatte er erstmals ein Rennen am Noris-Rundkurs gefahren. Mit, Kombi und Anhänger ist der 78-Jährige aus Tschechien angereist, hat sein Zelt aufgebaut — und rast manchem Jungen auf dem Rundkurs davon: Auf seiner hellblauen ESO-Monoblock von 1955 verschwindet der Mann, dem man wegen seiner geringen Körpergröße auch eine Karriere als Jockey zugetraut hätte, fast hinterm Lenker; Aus der Kurve am Zieleinlauf beschleunigt er im Windschatten, schaltet hoch und überholt. Vaclav ist ein in ganz Europa geachteter Senior, ebenso gefeiert wie die Lokalmatadoren und einstigen Spitzenfahrer Adolf Schneider, Horst Seidl, Karlheinz Geißlinger und Günther Maußner. Flaggen schwingen die Experten für klassische Motoren, Werner Pedack und Reiner Scharfenberg.

Für 2004 ist eine Neuauflage des Rennens geplant.


Glänzende Augen angesichts von Marken wie Ducati, Norton, Bultaco, Adler, NSU, Horex, Zündapp und Ariel bekommt auch Friedrich Lehr. Der Chef des Bürgervereins Dutzendteich vertritt aber auch die Belange der Anwohner: Auf 61 Dezibel einigte er sich mit den Veranstaltern. An einer Messstelle in der Hagedornstraße prüfte die Stadt aus der Ferne, ob tatsächlich alle Fahrer Nachschalldämpfer montiert haben. Matthias Murko hatte andere Probleme: Der Chef des Museums Industriekultur steigt zum Classic-Sonder-Lauf auf eine Triumph Boss von 1954. Doch die 350er orgelt überhaupt nicht. Also anschieben. Helfer finden sich genügend.

Sieger gab es nicht, nur ganz viele Gewinner, schnellere und langsamere.
Und: Kein einziger Unfall trübte den Motorspaß.